Fastenwandern

Das Gefühl „Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als Du in Deinem Alltagsleben wahrnimmst!“ hatte ich zum ersten Mal beim Fastenwandern.

Damals kannte ich Kundalini Yoga noch nicht und suchte nach einem Weg die Trennung von meinem Freund zu verarbeiten. Ich wollte einen klaren Strich zwischen dem Vorher und dem Danach setzen und Fasten schien mir das adäquate Mittel, ein gutes Ritual, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

yoga-strandIch hatte von einer Freundin über Heilfasten gehört, mich belesen: Es wurde u.a. als Weg beschrieben, einen „klaren Kopf“ zu bekommen. Das wollte ich und ich wollte außerdem die, in den Büchern beschriebene Leichtigkeit des Körpers, die Kreativität des Geistes und die sensiblere Wahrnehmung durch das Fasten erleben.

Fasten (nach Buchinger) ist der bewusste Verzicht auf feste Nahrungsmittel. Vitamine und Mineralien nimmt man in Form von verdünnten Obstsäften oder Grünen Smoothies (morgens), Tees und Wasser (tagsüber) und einer Gemüsebrühe (abends) auf.

Damit der Körper stark bleibt bzw. gestärkt wird, ist die Kombination aus Fasten und Wandern sehr wirksam. Durch die Bewegung an der frischen Luft wird der Kreislauf angeregt und die Entgiftungs- und Reinigungsprozesse im Körper laufen besser und schneller ab. Dazu kommt, dass das Wandern in der Natur wundervoll für die Augen, Ohren und für die Nase ist, wenn Du Deinen Sinne nach außen kehren möchtest. Durch das Laufen in einer meditativen Gangart kannst Du aber ebenso Deine Sinne nach innen richten um ganz bei Dir zu sein.

Meine erste Fastenerfahrung war sehr prägend. Inzwischen habe ich viele Male gefastet, selbst die Ausbildung zur Fastenwanderleiterin gemacht und dabei viel gelernt. Zunächst über meinen Körper und das was ganz wörtlich genommen in ihm steckt: durch das Abführen und die tägliche Darmreinigung mittels Einlauf kommt einiges ans Licht, was über Jahre in den Darmzotten festgesessen hat. Der Magen-Darm-Trackt wird gründlich gereinigt.

In den ersten drei Tagen, bevor sich mein Körper und auch der Geist auf die s.g. „innere Ernährung“ umgestellt haben, kann es auch sein, dass ich mich nicht so fit fühle. Wenn plötzlich der Kaffee fehlt, schmerzt der Kopf oder der Kreislauf kommt nicht so schnell in Schwung. Außerdem schwebt ab und zu noch einmal ein deftiges Gericht oder eine Sahnetorte an meinem inneren Auge vorbei…
Diese dann aus den Gedanken zu schieben ist eine gute Meditationsübung.

Beeindruckend war für mich beim Fastenwandern, dass es nach der Umstellung wirklich funktioniert ohne feste Nahrung in meiner Kraft zu sein: Zu merken, ich muss alles etwas langsamer angehen, habe aber trotzdem viel Energie und Ausdauer, war ein tolles Geschenk.

Tatsächlich hat mich das Fastenwandern zu tieferen Einsichten geführt, aber so richtig rund ist es erst, seit ich die Technik des Kundalini Yoga kenne, denn Kundalini Yoga und Fastenwandern berreichern sich aus meiner Sicht gegenseitig.

Vor allem die Meditationen, die im Kundalini Yoga so viele Möglichkeiten bieten die Seele anzusprechen, mit dem wahren Selbst in Kontakt zu kommen und das Unterbewusstsein zu reinigen sind ein wahrer Schatz, um daraus Kraft zu schöpfen und neue Impulse mit in die Nachfastenzeit zu nehmen. Spezielle Übungsreihen aus dem Kundalini-Yoga für die Leber, die Nieren, die Lungen, das Herz sind eine ideale Ergänzung, der Reinigungsprozesse beim Fasten (Übungsreihen z.B. bei Wesselhöft).

Immer mehr Menschen suchen im Urlaub nach Wegen zu entspannen und aus dem Hamsterrad des Alltags auszusteigen. Dafür wäre eine Yoga-Fasten-Wanderwoche geeignet, denn Fastenwandern in Verbindung mit Yoga bietet die Möglichkeit einer Zäsur und einer wirklich starken Erfahrung. Ich behaupte, für alle die auf dem Weg der Meditation und Versenkung noch am Anfang stehen, kann das Fasten ein verstärkender Faktor, eine Art Katalysator sein. Wir Menschen suchen „starke Erfahrungen“ wie sie heute i.d.R nur noch durch Geburt, gebären und sterben vorkommen. Es gibt immer verschiedene Wege ein Ziel zu erreichen: Gerade habe ich auf dem Yogafestival die spezielle Sonnenwenddiät von Yogi Bhajan gemacht. Die Rezepte sind im Kundalini-Yoga-Lehrerhandbuch: The Aquarian Teacher aufgeschrieben.

Auch diese Ernährungsform reinigt den Körper und ist sehr wohltuend. Aus meiner Sicht liegt ihr Vorteil darin, dass man sich dabei nicht so stark von den Freuden des Essens und der sozialen Komponente der gemeinsamen Mahlzeiten abgrenzt. Diät ist ein Teilverzicht.
Auch für Menschen, die aus bestimmten Gründen nicht auf feste Nahrung verzichten können/wollen sind die Monodiäten nach YB oder auch Basenfasten wundervoll.

Verweise:
Bhajan, Yogi: The Aquarian Teacher. Deutsche Ausgabe.3. Auflage.2011 Kap. 21. Yogische Ernährung.
Wesselhöft, Thomas: Kundalini Yoga – Eins werden mit sich und der Welt. Yogi Press. 2013.

Literatur zum Weiterlesen:
Lützner, Hellmut: Wie neu geboren durch Fasten. GU